Dinner mit Gene Simmons

Eine gelungene Porträtaufnahme zeigt mehr als nur die Oberfläche, sie geht in die Tiefe der Person, und sollte einen Blick in deren Seele erlauben. Ich persönlich nenne Portraitfotografie auch „Face to Face“ , denn man steht sich gegenüber und darf nicht vergessen mit der Person zu kommunizieren.

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Gene Simmons with Nelly & Manfred Baumann

Als Portraitist ist man auch ein wenig  Psychologe, der wissen sollte, wie man eine Person so dirigiert, dass die Aufnahmen natürlich und ungezwungen wirken bzw. tiefe Einblicke gewähren!

Ideal ist natürlich, wenn man Zeit für ein „Warm up“ hat, oder noch besser, wenn man die Person schon gut kennt. Mit dem Leadsänger Gene Simmons von der Kultband KISS verbindet uns eine Freundschaft, mit Fotoproduktionen in L.A. oder privaten Treffen in Wien. Jeder kennt KISS und Gene- der Mann mit der Maske und der langen Zunge- aber wisst Ihr zum Beispiel, dass seine Eltern dem Holocaust entkamen, nachdem alle anderen Familienmitglieder in deutschen Konzentrationslagern ums Leben gekommen waren. Oder, dass er in den 70er-Jahren mit Cher und Diana Ross liiert war!

Gene Simmons by Manfred Baumann
Gene Simmons by Manfred Baumann

Es ist einfacher Menschen zu fotografieren, wenn man Sie besser kennt und sie beim fotografieren lenken kann & über Dinge plaudert, die sie begeistern, berühren oder Ihre Aufmerksamkeit steigern, um das zu bekommen, was ein gutes Portrait ausmacht. Man muss sich mit den Menschen befassen, zuhören und dann zwischen den Zeilen lesen.

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Unser erstes Shooting mit Gene war natürlich sehr beeindruckend, als uns seine Frau Shannon zu sich nach Hause eingeladen hatte. Wer seine TV-Show „Family Jewels“ kennt, kennt auch seine Villa bzw. sein Anwesen. Wenn man hier vor der Einfahrt steht, und sich die Tore öffnen, ist es natürlich schon besonders, wenn man dann die Auffahrt entlang fährt, wie in einem Hollywood-Film oder den vielen Folgen seiner Serie.

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Tolle Portraits entstehen natürlich nicht nur im Studio. Ich liebe es, auch an Locations zu arbeiten, wo ich 2-3 Hintergründe mitnehme, die man überall aufhängen kann, wo ich noch zusätzlich die Option habe, viel mehr zu erzählen in meiner Aufnahme in dem ich auch die Umgebung – in Genes‘ Fall sein Haus oder die goldenen Schallplatten – mit ins Bild nehme.

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Bei unserem letzten Treffen in Wien mit Gene und seiner Familie, hat er mir eine Stoffserviette bemalt, als Dankeschön für die Fotos, welche ich natürlich in Ehren halte.

Die meist verstandene Sprache der Welt ist die Bildsprache! Schwarz-Weiß-Fotografien sind wie Aphorismen, sie drücken mit wenig viel aus.. mit zu viel sind sie laut, beeindrucken jedoch vor allem auch leise. 

Wenn einem, wie so schön in diesem Zitat von  Kurt Sowinetz erwähnt: „Alle Menschen San Ma Zwider“ sind, sollte man vielleicht lieber Landschaftsaufnahmen machen oder Tiere porträtieren!

bis bald, Euer Manfred